GPSR-Risikoanalyse.de

Ratgeber · GPSR

GPSR bei Amazon KDP: was Amazon wirklich von dir verlangt

Zuletzt geprüft: 5. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Kaum ein GPSR-Thema stiftet so viel Verwirrung wie Amazon KDP. Im Netz kursieren Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Compliance-Dashboards und Pflichtfeldern – die du in deinem KDP-Konto nirgends findest. Kein Wunder: Sie sind für Marktplatz-Händler mit Seller Central geschrieben, nicht für Autorinnen und Autoren. Hier ist die Lage für KDP sortiert: was Amazon für deine Bücher übernimmt, was ausdrücklich bei dir bleibt – und warum du trotzdem nicht fertig bist, nur weil Amazon sich kümmert.

Das Wichtigste in Kürze

  • KDP ist nicht Seller Central: Das Compliance-Dashboard aus den gängigen Händler-Anleitungen existiert für KDP-Autoren nicht. Wenn du es nicht findest, machst du nichts falsch.
  • Amazon übernimmt die Angebotsseite: Für KDP-Titel kümmert sich Amazon nach eigener Kommunikation um die produktsicherheitsbezogene Darstellung in seinen Stores, einschließlich der Rolle der EU-Anlaufstelle (Stand: Juli 2026 – die aktuelle Formulierung findest du in der KDP-Hilfe).
  • Hersteller bleibst du: Risikoanalyse, technische Unterlagen und die Herstellerangaben im Buchimpressum nimmt dir niemand ab.
  • Außerhalb von Amazon giltst du sowieso: Auf deiner eigenen Website und in anderen Shops erfüllst du die Angebotspflichten selbst.

Warum die meisten Amazon-GPSR-Anleitungen nicht für dich gelten

Amazon betreibt zwei getrennte Welten: Seller Central für Marktplatz-Händler und KDP für Buchveröffentlichungen. Die GPSR-Anleitungen, die seit Ende 2024 durchs Netz gehen – „Verkäuferleistung", „Compliance-Informationen übermitteln", Pflichtfelder pro ASIN – beschreiben die Händlerwelt. Dort müssen Verkäufer Herstellerangaben und Sicherheitsinformationen für jedes Produkt selbst hinterlegen, weil Amazon als Plattform gesetzlich sicherstellen muss, dass Angebote die Pflichtangaben zeigen.

Bei KDP liegt der Fall anders: Amazon druckt, verkauft und gestaltet die Produktseite deiner Bücher selbst. Deshalb gibt es für dich weder das Dashboard noch die Pflichtfelder – und deshalb führt die Suche danach ins Leere.

Was Amazon für KDP-Bücher übernimmt

Für Titel, die über KDP in Amazons Stores verkauft werden, übernimmt Amazon nach eigener Kommunikation die produktsicherheitsbezogene Darstellung auf der Produktseite und tritt als Anlaufstelle in der EU auf. Praktisch heißt das: Auf der Amazon-Produktseite deines Buchs musst du selbst nichts nachrüsten oder eintragen.

Zwei ehrliche Einschränkungen dazu. Erstens ändert Amazon seine Prozesse und Formulierungen regelmäßig – verlass dich nicht auf Blogartikel (auch nicht auf diesen), sondern wirf bei Gelegenheit einen Blick in die aktuelle KDP-Hilfe zum Stichwort Produktsicherheit. Zweitens gilt Amazons Zuständigkeit für Amazons Kanäle. Sie ist keine Generalabsolution für dein Buch.

Was bei dir bleibt

Drei Dinge kann und wird Amazon dir nicht abnehmen:

  1. Die Herstellerrolle samt Dokumentation. Dein Buch erscheint unter deinem Namen – damit bist du Hersteller im Sinne der GPSR, und die interne Risikoanalyse plus technische Unterlagen sind deine Pflicht: erstellen, zehn Jahre aufbewahren, aktuell halten. Amazon druckt dein Buch, aber Amazon dokumentiert es nicht für dich.
  2. Das Impressum im Buch. Die Herstellerangaben – Name, Postanschrift, E-Mail-Adresse – gehören in dein Buch, und KDP druckt exakt die Datei, die du hochlädst. Fehlen die Angaben in deiner Druckdatei, fehlen sie im Buch.
  3. Deine Angebote außerhalb Amazons. Verkaufst du dein Buch auch über die eigene Website, bei Lesungen mit Shop oder auf anderen Plattformen, gelten dort die Angebotspflichten nach Art. 19 GPSR – wie das aussieht, steht im Artikel zu den GPSR-Pflichtangaben auf der Produktseite.

Deine KDP-Checkliste

Damit ist der Weg klar, und er ist kurz: Prüfe, ob das Impressum in deiner Druckdatei Name, Anschrift und E-Mail-Adresse enthält. Erstelle Risikoanalyse und technische Unterlagen und lege sie ab – unser Tool erledigt das kostenlos in wenigen Minuten und liefert den passenden Impressum-Text gleich mit. Halte deine Angaben im KDP-Konto (Imprint, Verlagsname) konsistent mit dem Impressum. Und rüste Produktseiten außerhalb Amazons mit den Pflichtangaben nach.

Häufige Fragen

Ich finde das Compliance-Dashboard nicht – mache ich etwas falsch?+

Nein. Das Dashboard gehört zu Seller Central, dem Konto für Marktplatz-Händler. KDP-Autoren haben es nicht und brauchen es nicht – die Anleitungen dazu sind schlicht für eine andere Zielgruppe geschrieben.

Amazon kümmert sich doch – bin ich damit komplett fertig?+

Nein. Amazons Rolle betrifft die Darstellung in Amazons Stores. Deine Herstellerpflichten – Risikoanalyse, technische Unterlagen, Impressum im Buch – bestehen unabhängig davon, genau wie die Angebotspflichten auf allen Kanälen außerhalb Amazons.

Muss wirklich meine Privatadresse ins Buch?+

Es muss eine Postanschrift sein, unter der du erreichbar bist – das kann statt der Privatadresse auch eine Impressum-Service-Adresse sein. Ganz weglassen ist keine Option: Die Herstellerangaben im Produkt sind eine der drei Kernpflichten.

Gilt das auch bei Erweiterter Distribution über KDP?+

Ja. Der Vertriebsweg ändert nichts an der Herstellerrolle: Das Buch erscheint unter deinem Namen, also bleiben Dokumentation und Impressum deine Aufgabe – unabhängig davon, welcher Händler es am Ende verkauft.

Wo finde ich Amazons aktuellen Stand?+

In der KDP-Hilfe unter dem Stichwort Produktsicherheit bzw. GPSR. Amazons Formulierungen und Prozesse ändern sich gelegentlich – dieser Artikel gibt den Stand seines Prüfdatums wieder.

Dieser Ratgeber gibt den Stand zum oben genannten Prüfdatum wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Weiterlesen